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Der ultimative Vergleich: Heliskiing vs. Catskiing

Text: Bernhard Krieger

„Catskiing is poor man’s heliskiing“, spotten die Kanadier. Aber ist Catskiing wirklich nur Heliskiing für Arme? Wir haben beides ausprobiert und meinen: Beide Varianten haben ihre Vorteile!

Jungfräuliche Tiefschneehänge, staubender Powder und kein Mensch weit und breit – wer träumt nicht von diesen Glücksmomenten in den Bergen? Leider sind sie selten. In Skigebieten muss man an einem Neuschneemorgen schon verdammt früh aufstehen, um noch einen unverspurten Hang zu erwischen. Und in den dicht besiedelten Alpen sind selbst die entlegeneren Tiefschneefelder von Tourengehern und Freeridern schnell durchpflügt.

Stumboeck Revestloke Catskiing Cat Wolken Ketten c John AntoniukIn Nordamerika sieht das in der Nähe der Ski Resorts ähnlich aus. Anders als in Europa sind die Skigebiete in den Rocky Mountains und den Coast Mountains aber Hunderte, zum Teil sogar Tausende Kilometer voneinander entfernt. Dazwischen liegt eine schier endlose weiße Wildnis ohne Lifte und Pisten, ohne Orte, ohne Straßen. Ein gigantisches Ski- und Snowboard-Paradies. Einziger Haken: Selbst für konditionsstarke Tourengeher bleibt 99 Prozent des Terrains unerreichbar.

Heliskiing und Catskiing: Wer hats erfunden?

„Wenn wir nicht hinfahren und nicht hingehen können, müssen wir halt hinfliegen“, sagte sich Hans Gmoser in den 1960er Jahren und erfand in Kanada das Heliskiing. 1965 flog der ausgewanderte Österreicher die ersten Heliskier noch in einem winzigen Hubschrauber einzeln auf den Berg. Bald schon setzte seine Firma Canadian Mountain Holidays (CMH) stärkere Helis ein. 1968 eröffnete der Pionier mit der Bugaboos Lodge in der Provinz British Columbia (BC) die erste Heliskiing-Lodge, um die Anflugzeit zu verkürzen und seinen Gästen eine komfortable Unterkunft mitten in Bergen bieten zu können. Mit elf Heliskiing-Lodges in BC ist CMH heute Weltmarktführer.

Gmoser erfand das Heliskiing-Business und inspirierte Allan Drury für das Catskiing. Als CMH-Gast war Drury vom Erlebnis des mühelosen Aufstiegs mit dem Hubschrauber auf sonst nur schwer erreichbare Gipfel und von den Tiefschneeabfahrten überwältigt. Der Geologe quittierte seinen Job in einer Öl- und Gas-Firma und startete rund 200 Kilometer nordwestlich von Fernie „Selkirk Wilderness Skiing“ – das erste Catskiing-Unternehmen der Welt. Statt Hubschrauber setzte er umgebaute Pistenraupen für den Aufstieg ein. Die in Nordamerika „Cats“ genannten Pistenraupen fahren meist über alte Holzfällerwege hinauf auf die Gipfel. Von dort gleitet die von einem Guide geführte Gruppe wie beim Heliskiing durch unpräpariertes Gelände ins Tal, wo sie wieder von der Pistenraupe für die nächste Runde aufgelesen wird.

Die Kosten
Catskiing ist rund 30 bis 40 Prozent günstiger als Heliskiing. Einen Tag Catskiing gibt es schon für rund 400 €, einen Tag Heliiskiing mit fünf Abfahrten ab rund 680 €. Eine Woche Heliskiing in einer der CMH-Lodges kostet in der Nebensaison ab rund 7.600 €, in der Hauptsaison durchschnittlich 9.600 €. Die längsten Catskiing-Pakete dagegen, zum Beispiel bei Island Lake Catskiing, dauern nur für vier Tage und kosten rund 4.700 €.

Das Terrain
Heliskiing-Terrains sind im Durchschnitt 2.000 Quadratkilometer groß, einige sogar viele Tausend Quadratkilometer größer! Je nach Wetter- und Schneesituation fliegen die Helis die besten Hänge an, wechseln in Minutenschnelle von einem Tal ins nächste, von Waldabfahrten zu sanft abfallenden Gletschern und weiter zu Steilhängen. Selbst, wenn es länger nicht geschneit hat, finden die Helis fast immer noch perfekte Hänge.
Die größten Catskiing-Terrains sind rund 200 Quadratkilometer groß. Sie liegen meist tiefer und haben weniger baumlose Hänge. Bei schlechtem Wetter sind die vielen Waldabfahrten ein großer Vorteil. Catskiing-Hänge sind zuweilen durchaus anspruchsvoller und steiler als Heliskiing-Hänge.

Kingfisher Heliskiing PhotoDie Abfahrten und Höhenmeter
Beim Catskiing werden durchschnittlich rund zehn Abfahrten pro Tag gefahren, die in der Regel kürzer sind als beim Heliskiing. Die Tagesanbieter bleiben wegen des Sicherheitstrainings vor der ersten Abfahrt und dem Start im Tal meist unter 5.000 Höhenmetern, Catskiing-Lodges mit Mehrtagesangeboten kommen auf knapp 6.000 Höhenmeter pro Tag. Beim Heliskiing hängt die Anzahl der Runs und der Höhenmeter vor allem von der Größe der Gruppen und der Anzahl der Gruppen pro Helikopter ab. Als Faustregel gilt: Je weniger Gruppen ein Hubschrauber bedient und je kleiner die Gruppen sind, umso mehr wird gefahren. Als Anhaltspunkt gelten acht Runs und 6.000 Höhenmeter bei großen und zehn Runs und 8.000 Höhenmeter bei kleinen Gruppen.

Wie gut muss ich sein?
Catskiing ist mindestens so anspruchsvoll wie Heliskiing, weil viele Abfahrten im Wald liegen, die Schneequalität wegen der meist niedrigeren Höhe des Terrains stärker variiert und der Radius der Cat limitiert ist. Große Anbieter wie Big Red Cat im Red Mountain Resort bieten Fahrten für Gruppen verschiedener Könnensstufen an. Beim Heliskiing gibt es alles, vom Einsteiger-Programm auf sanften Gletscherhängen in Whistler bis hin zum reinen Tree Skiing im Wald für Experten wie in der CMH Monashees Lodge oder dem Big Mountain Skiing in Alaska. Generell heißt es, dass jeder mittelgute und einigermaßen konditionsstarke Skifahrer zum Heliskiing kommen kann – er muss nur das passende Angebot wählen.

Skeena Catskiing Potrait Bernhard c Bap KollerDas Erlebnis
Catskiing ist aufregend, aber Heliskiing schlicht überwältigend. Allein schon die Flüge durch die gigantische Bergwelt sind unvergesslich. Anders als beim Catskiing spürt man beim Heliskiing noch mehr die grenzenlose Freiheit und dieses schaurig-schöne Gefühl, in der weißen Wildnis ausgesetzt zu sein.

Der Glamour
Die exklusivste Form des Skifahrens ist und bleibt Heliskiing. Nur Island Lake Catskiing bei Fernie und das weitaus rustikalere Chatter Creek kommen mit ihren hoch in den Bergen liegenden Lodges an den Luxus von Heliskiing-Lodges heran. Besonders nobel sind zum Beispiel die Lodges Valemount und McBride von CMH, Mike Wiegeles Albreda Lodge sowie Mica Heliskiing.

Der Stressfaktor
Gerade für Firsttimer kann Heliskiing am Anfang etwas stressig sein. Der wenige Zentimeter neben der Gruppe landende Heli lässt den Adrenalinpegel steigen. Einige Landeplätze auf schmalen Gipfeln sind atemberaubend. Die Flüge bieten nur kurze Verschnaufpausen. Catskiing ist Dank der langen Auffahrten weniger anstrengend. Auch beim Ein- und Aussteigen geht es gemächlicher zu. Und wer müde ist, kann, anders als beim Heliskiing, einfach mal eine Runde aussetzen und in der Cat sitzen bleiben.

Die Sicherheitstandards
Die Safety-Standard sind gleich hoch. Anders als in den USA gelten in Kanada landesweite Sicherheitsstandards für Cat- und Heliskiing. Die Guides sind erstklassig ausgebildet und haben viele Jahre Erfahrung, bevor sie eine Gruppe führen dürfen. Lawinenverschütten-Suchgeräte (LVS), Schaufel und Sonde werden überall kostenlos gestellt, viele Anbieter halten zudem Lawinenairbags bereit. Vor der ersten Abfahrt werden alle Teilnehmer für den Notfall trainiert.

Last Frontier Heliskiing Ripley Creek Heliski 2 c Bernhard KriegerSaison und Wetter
Fürs Fahren im Gelände braucht es gerade in tieferen Lagen eine gewisse Schneehöhe, damit Hindernisse wie umgestürzte Bäume, Baumstümpfe und kleinere Felsen verschwinden. Viele Heli- und Catskiing-Areale sind bereits im Dezember in den hohen Lagen sehr gut befahrbar. Ab Januar wird meist das volle Potential ausgeschöpft. Hochsaison sind Ende Januar bis Anfang März. Dann sind die Schneehöhen üppig und die Tage lang. Bis Mitte April gibt es in den alpinen Hochlagen meist noch Top-Bedingungen, in den Wäldern wird dann nur noch sehr selten gefahren.
Hubschrauber fliegen noch im dichtesten Schneetreiben, aber nicht bei Nebel und tiefhängenden Wolken. An den sogenannten „Downdays“ bleiben die Helis am Boden – und damit auch die Gäste. In Alaska und in den Küstenregionen passiert das häufiger als im Landesinneren. Die Cat dagegen fährt bei jedem Wind und Wetter. Damit ist Skifahren und Snowboarden jeden Tag garantiert.

The best of both worlds
Einige Heliski-Anbieter haben ein Catskiing-Backup für die Schlechtwettertage, an denen die Helis nicht fliegen können. Führend ist Northern Escape (NE) in Terrace. Auch Mike Wiegele hat in Blue River eine Cat für den Plan B. In Revelstoke kann Selkirk Tangiers nicht nur auf Catskiing, sondern auch noch auf eines der besten Skigebiete Kanadas zurückgreifen.