Ski USA

Das große Ski- & Snowboard-Magazin für USA-Fans

In Zermatt himmeln Genuss-Skifahrer und Freerider die „Steinerne Miss Schweiz“ an

Text: Brigita Krieger

Zermatt ist einer der schönsten Skiorte in den Alpen, ein Traumziel für Genießer und ein gutes Revier für Freerider. Die Off-Piste-Hänge rund ums Matterhorn eignen sich zum Warm-up für Skireisen nach Kanada oder in die USA.

Der meist fotografierte Gipfel der Welt wird angehimmelt wie eine Schönheitskönigin – von Touristen aus aller Welt genauso wie von den Einheimischen. „Das Matterhorn hat eine geradezu mystische Anziehungskraft“, sagt der Zermatter Künstler Heinz Julen. „Steinerne Miss Schweiz“ nennen die Eidgenossen das Matterhorn.

Der Wintersportort Zermatt im Schweizer Kanton Wallis hat ein riesiges Skigebiet, Schneesicherheit, romantische Hütten, Top-Hotels und Klasse-Restaurants – einzigartig aber macht Zermatt erst sein „steinerner Star“. Dem Matterhorn verdankt das einst arme Bergdorf seinen Wohlstand und seinen Weltruf. Zermatt wird auch in Nordamerika, Australien oder Asien in einem Atemzug mit Aspen, Vail und Whistler genannt. Das Matterhorn ist in Zermatt allgegenwärtig. Im Designhotel Matthiol, an dem der deutsch-schweizerische James Bond-Regisseur Marc Forster beteiligt ist, haben sie den Gipfel sogar auf die Dusch-Armaturen eingraviert.

Zermatts 4478 Meter hohes Wahrzeichen ist beinahe schon zum Synonym für die Schweiz geworden. „Selbst wir Einheimischen schauen immer wieder hinauf“, gibt der Hotelier des Cervo, Daniel F. Lauber, zu. Sein neues Chalet-Hotel direkt an der Talabfahrt im Sunnegga-Gebiet ist ein Meisterstück modernen Alpin-Designs und hat so gar nichts von Heidi-Kitsch. Ohne das Matterhorn kommt das Cervo aber auch nicht aus.

Zermatt: Traumaussicht auf das Matterhorn

 

So majestätisch wirkt der Berg nur von Zermatt aus. Von der italienischen Seite des insgesamt 360 Kilometer Pisten umfassenden Skigebiets aus sieht das dort „Monte Cervino“ genannte Massiv völlig unspektakulär aus. Die neue, supersteile Piste auf der italienischen Seite des Matterhorns dagegen ist ein Knüller: Auf 750 Meter Länge stürzen sich Skifahrer dort 250 Höhenmeter hinunter. Das Gefälle an der steilsten Stelle beträgt 65 Prozent! Die meisten Pisten ins italienische Breuil Cervinia sind aber sanfte Genuss-Abfahrten.

Für Matterhorn-Fans sind sie nur zweite Wahl, weil sie den berühmten Zinken immer im Blick haben wollen. Die schönste Sicht auf das Matterhorn und 28 weitere Viertausender hat man von den Pisten rund um das 3103 Meter hohe Rothorn und den 3089 Meter hohen Gornergrat. Die Bergstation mit ihrer Sternwarte erreicht man mit der Zahnradbahn, die direkt am Zermatter Bahnhof startet. Zwischen Rothorn und Gornergrat liegt der Weiler Findeln. Eine Handvoll Bauernhäuser stehen am Pistenrand auf einer Alm, vis-à-vis ragt das Matterhorn empor – ein Traum für Postkarten-Fotografen und die Genießer unter den Skifahrern. Denn in einem der Häuser versteckt sich das beste Hütten-Restaurant Zermatts. Im Chez Vroni werden Gourmets mit edlen Weinen und feinsten Speisen verwöhnt – zu fairen Preisen und ohne jegliches Schickimicki-Gehabe.

Speisen mit musikalischer Begleitung

Auf den Bergen und im 1620 Meter hoch gelegenen Ort gibt es unzählige Top-Restaurants mit insgesamt 248 Gault Millau-Punkten. Zu den besten Adressen gehört das Restaurant Cervo, in dem Seraina Lauber mediterran interpretierte Gerichte aus der Region kocht. Das skurrilste Lokal ist das Chez Heini, in dem Besitzer Dan Daniell nicht nur hervorragendes Lamm von der eigenen Alm serviert, sondern auch noch jeden Abend seinen „Matterhorn-Schlager“ zum Besten gibt. Zum Abschluss folgt dann „I have a dream“, das Zermatts Kult-Barde mit Abba-Sängerin Frida im Duett aufgenommen hat.

Die Schwedin lebt seit Jahren in Zermatt. So wie viele Reiche, die in den Liftstationen zwar mit Werbeplakaten von Luxusuhren und Privatbanken umworben werden, aber in dem bodenständigen Ort nur selten protzen. Wie auch? Ihre Luxuskarossen stehen im Parkhaus Täsch, von dem aus Shuttle-Züge nach Zermatt fahren. Vom Bahnhof geht es mit Elektrotaxis oder mit der Pferdekutsche des legendären Grand Hotels Zermatterhof weiter. So tauchen die Reichen unter in der Masse der Wintersportler.

Sommerskigebiet und höchste Aussichtsplattform

 

Die finden unendlich viel Auswahl für alle Könnensstufen und Vorlieben: Einsteiger locken die sonnigen und windgeschützten Abfahrten vom Rothorn hinunter zum Sunegga-Gebiet. Carver ziehen ihre Schwünge am liebsten auf den breiten und nicht zu steilen Pisten im Matterhorn Glacier-Areal. Dort befindet sich auch das Sommerskigebiet und am Klein Matterhorn die auf 3883 Metern gelegene, höchste Aussichtsplattform Europas.

Paradies für Gelände-Skifahrer

 

Freerider zieht es zum Stockhorn oberhalb des Gornergletschers oder gleich mit der Air Zermatt zum Heliski. Wegen seiner Höhe und Weitläufigkeit ist Zermatt ein Paradies für Gelände-Skifahrer. Ein Genuss ist auch eine Skitour zur futuristischen Monte Rosa-Hütte des Schweizer Alpenvereins. Vom Gornergrat geht’s auf Tourenski mit Bergführer hinauf zu der einsam liegenden High-Tech-Hütte. Dank ihrer modernen Solar-Technik braucht sie für die Energieversorgung nichts als Sonne. Und die scheint an durchschnittlich mehr als 300 Tagen im Jahr.

Der Weg zur Monte Rosa-Hütte ist ungefährlich, anders als der aufs Matterhorn. Im Winter hat der Berg seine Ruhe, im Sommer aber klettern Tausende hinauf. Viele überfordert der am 14. Juli 1865 vom Engländer Edward Whymper erstmals bestiegene Gipfel. Jahr für Jahr kommen einige am Berg um. „Wer dort aus der Wand stürzt, wird vom ‚Gletscherbriefkasten‘ am Fuße des Matterhorns für immer verschluckt“, sagen die Bergführer.