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For Experts only: die Talons Challenge in Beaver Creek

Text: Bernhard Krieger

Vails Schwesterresort Beaver Creek ist das romantische Winter-Wonderland der Schönen und Reichen. Aber das Luxus-Geschöpf des amerikanischen Ski-Business ist viel wilder als seine Bilderbuch-Fassade erahnen lässt …

Beaver Creek mal ganz anders – wer zum Teufel ist auf diese Idee gekommen? Muskelkater statt Wellness-Massage, Höhenmeter-Fressen statt Gourmet-Essen und Buckelpisten-Rodeo statt Après-Ski-Romeo. Tolle Idee! Talons Challenge heißt die ultimative Herausforderung für Sportler in Beaver Creek, das ansonsten ja eher bekannt ist für Luxushotels, beheizte Gehwege, Rolltreppen und flinke Helfer, die einem sogar noch die Ski zum Lift tragen.

John ist einer dieser Beaver Creek Ambassadors. Ohne lange zu fackeln schnappt sich der rüstige Rentner tatsächlich unsere Ski und drückt uns dafür den frisch gedruckten Grooming Report in die Hand. Darauf sind die über Nacht präparierten und die naturbelassenen Pisten aufgelistet. Dass wir die Talons Challenge in Angriff nehmen wollen, nötigt ihm Respekt ab. „Have a great day!“, ruft er uns hinterher. Irgendwie klang da aber ein ironischer Unterton mit.

„Wer die Talons Challenge gemeistert hat, wird bewundert – wer sie vor sich hat, bemitleidet“, klärt uns Ski-Guide Mike Williams auf. Er begleitet uns auf die 13 tiefschwarzen Abfahrten. Black Diamond heißen sie hier – die schwierigsten sogar Double Black Diamond. Am Einstieg dieser Pisten stehen dann manchmal auch Warnschilder wie „Experts Only!“. Fehlt eigentlich nur noch ein Totenkopf.

13 Abfahrten, 7300 Höhenmeter, ein paar Stürze und unzählige Flüche trennen uns noch von der Verewigung auf der Wall of Fame der Tallons Challenge. Einige tausend Namen stehen bereits drauf. Die nostalgische Wandtafel mit den silbernen Namensschildchen am früheren Red Tail Camp reichte nicht mehr. Modern, aber auch unromantisch werden die Talons Challenge-Bezwinger jetzt auf einer virtuellen Wall of Fame aufgelistet, die alte Red Tail Hütte ist dem Ausbau für die WM 2015 zum Opfer gefallen.

Die wie ein Western Saloon anmutende Hütte lag direkt an der berühmten Birds of Prey-Abfahrt. Mit einer Neigung von bis zu 45 Prozent überwindet die Piste 757 Höhenmeter auf einer Länge von 2,7 Kilometern. Damit ist sie eine der technisch anspruchsvollsten im Ski-Weltcup und das Herzstück der WM 2015, bei der alle Männer-Rennen sowie die Speed-Disziplinen von Lindsey Vonn & Co. in Beaver Creek austragen werden.

Geländeabfahrten zur Entspannung

Nach den ersten beiden Respekt einflößenden Double Black Diamond-Pisten stehen wir jetzt am Start von Golden Eagle – mitten auf der Birds of Prey. Von Schwüngen kann keine Rede mehr sein, eher schon von freiem Fall. In der Larkspur-Bowl stehen danach zum Glück drei sanftere Geländeabfahrten im Wald auf dem Routenplan. Der Neuschnee von letzter Nacht hat die Buckel abgefedert, unsere breiten Allmountain-Ski ziehen sicher durch das verspurte Gelände. Ein Kinderspiel! Auch die ersten vier Runs auf dem Grouse Mountain gehen besser als erwartet, obwohl die Buckel immer höher und die Neigung immer steiler wird.

Dann aber kommt der Einbruch. Die Oberschenkel glühen, die Konzentration lässt nach, die stattliche Höhe von 3000 Metern nimmt uns die Luft. Der eine Tag zur Akklimatisierung in Denver hat wohl doch nicht ganz gereicht. „Jetzt hilft nur ein Burger!“, meint Mike und carvt in weit gezogenen Schwüngen zur Hütte. Mit einem Riesen-Fleischklops im Magen geht’s weiter. Die letzten drei Runs kommen uns wie eine Tortur vor. Zum Finale warten einige der schwierigsten Buckelpisten Nordamerikas, bevor uns Mike die hart erkämpfte Talons-Medaille überreicht.

Ein Drittel Ausfallquote

Alleine mit einem Ski-Guide als offiziellem Zeugen absolvieren nur die wenigsten die Talons Challenge. Die meisten versuchen es beim großen Talons-Events, bei dem sich rund 1500 Skifahrer und Snowboarder Buckelpisten und Steilhänge hinunterstürzen. Nur rund zwei Drittel werden die 13 Runs schaffen und dann auf der großen Party im Red Tail Camp feiern.

Wir lassen unsere Talons-Challenge ziemlich k.o. im Hotel-Whirlpool unter freiem Himmel ausklingen. Über uns funkeln die Sterne, unter uns die Lichter des 1980 gebauten Luxusorts mit seinem Eisring im Zentrum, den Boutiquen, Galerien, Restaurants und den riesigen Lagerfeuern, an denen Kinder Marshmallows rösten.

Am nächsten Morgen sind die Beine schwer – zum Glück stehen heute nur Genuss-Abfahrten auf dem Programm: Vom fast 3500 Meter hohen Gipfel gleiten wir über weite, fast menschenleere Pisten zur Spruce Saddle Lodge. Die Mittelstation bietet von Sushi bis Chili mehr kulinarische Auswahl als so manche deutsche Kleinstadt. Vom Dreh- und Angelpunkt des Skigebiets geht es vorbei am McCoy Park, einer auf 3000 Meter liegenden Langlauf- und Schneeschuh-Arena, durch Espen-Wälder hinunter ins Villen- und Hoteldorf Bachelor Gulch.

Hollywood in der Nachbarschaft

Wer ein paar Millionen Dollar übrig hat, kann sich hier eine der riesigen Villen direkt an den Pisten kaufen. Seit der Finanzkrise sind sie ein paar Milliönchen billiger geworden und illustre Nachbarn wie Tom Hanks und Justin Timberlake gibt es kostenlos dazu. Hollywood-Stars und Wallstreet-Banker trifft man auch schon mal in edlen Hütten-Clubs wie Beano´s oder Zach´s Cabin. Abends sind diese Nobel-Blockhütten mitten im Skigebiet auch für das normale Publikum zugänglich, mittags aber heißt es: „Sorry, members only!“ Bis zu 100.000 Dollar kostet allein die Aufnahmegebühr.

Wir schonen die Reisekasse lieber und gönnen uns später ein Glas Wein beim Après-Ski am Lagerfeuer des Park Hyatt-Hotels direkt am Fuß der Pisten in Beaver Creek, ein Riesen-Steak im Beaver Creek Chophouse und einen Absacker im stets vollen Coyote Café. Die Kneipe mit den Riesenburgern ist der Treffpunkt der wenigen Einheimischen, die sich das Leben in einem der feinsten Skiorte Nordamerikas leisten können. Beaver Creek wirkt auf Europäer wie ein bis ins kleinste Detail perfekt gestylter Disney-World-Skipark – in den Augen der Amerikaner ist es alpenländisch.

Name Beaver Creek
Provinz/Bundesstaat Colorado
Mountain Range Beaver Creek
Zielflughafen Denver Int. Airport
Transferzeiten 2 bis 3 h