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Nach der Ski-WM in Åre: Genüssliches Schwingen in Schweden

Text: Brigita Krieger

Schwedens Top-Skigebiet Åre lockt mit perfekten Carving-Pisten, rassigen Freeride-Hängen, mystischen Bilderbuchlandschaften und schwedischer Lässigkeit.

Das bekannteste Skigebiet Schwedens

Für das viertgrößte Skigebiet Schwedens war die WM (5.–17. Februar 2019) eine Bühne, um sich dem Rest der Ski-Welt zu präsentieren, die sich ansonsten eher Richtung Alpen orientiert. Åre liegt für deutsche Winterurlauber tatsächlich etwas ab vom Schuss, aber der Weg in die Provinz Jämtland lohnt sich. Zugefrorene Seen, rote Bauernhäuser mit weißen Fensterläden und mit dicken Schneepanzern überkrustete Berge – rund um das bekannteste Skigebiet des Landes wirkt Schweden wie gemalt. Wenn dann noch Rentiere über den Gipfelgrat am Åre Toop Plata an der Bergstation der „Kabinbanan“ laufen, ist die skandinavisch Idylle perfekt.

Ski-WM: Spektakel für Fans

Wo die Paarhufer durch den Schnee stapfen, starteten im Februar 2019 die Skirennläufer. Unterhalb des 1300 Meter hohen Västerskutan-Gipfels beginnen die Pisten, auf denen neben Abfahrt und Super-G auch die technischen Disziplinen ausgetragen wurden. Alle WM-Pisten laufen im Stadion oberhalb des Åresjön Sees zusammen, auf dem Langläufer ihre Bahnen ziehen. Unter den Pisten wurden Tunnel eingezogen, damit Ski-Urlauber auch während der WM von einem Teil des Skigebiets in den anderen hin- und herpendeln konnten.

Bereits die erste Ski-WM in Åre 2007 war ein großer Erfolg. „Danach kamen viel mehr internationale Gäste“, erinnert sich WM-Chef Niklas Carlsson. Noch besuchen vor allem Einheimische Schwedens mondänsten Wintersportort. „Neben den skandinavischen Nachbarn kommen auch Engländer und Holländer und einige Norddeutsche“, erzählt Pernilla Enqvist vom Skigebietsbetreiber Skistar. Das Unternehmen betreibt sechs Resorts in drei Ländern, darunter auch St. Johann in Tirol.

Eines der Schmuckstücke der Kollektion

Åre ist eines der Schmuckstücke der Kollektion mit 42 Liften und 89 Pisten, die sich über die zusammenhängenden Skigebiete von Åre und Björnen sowie das in wenigen Minuten per Skibus erreichbare Duved-Areal verteilen. Angesichts der bescheidenen Gipfelhöhe von 1274 Metern kommt man nur auf einen Höhenunterschied von 890 Metern. Die meisten Pisten sind denn auch leichte bis mittelschwere Genussabfahrten, wie die von der Gipfelstation der „Gondolen“-Bahn hinunter zur urigen Buustamons Fjällgård, die als einzige Skihütte eine Lizenz zum Schnapsbrennen hat.

„Östra Ravin“ – die schwierigste Geländeabfahrt Schwedens

In Åre kann man stundenlang oberschenkelschonend carven und sich von dem omnipräsenten „Valle“, dem Maskottchen des Skigebiets in Form eines Schneemanns, immer wieder Tipps für die gerade am besten präparierten Pisten geben lassen. Schwarze Pisten dagegen sind an einer Hand abzuzählen. Wer es anspruchsvoller will, sollte sich deshalb an Jesper Johnsson wenden. Der baumlange Schwede betreibt mit dem Bruder von Freestyle-Champion Henrik Harlaut die Firma Åreguiderna. Jesper und Philip Harlaut toben sich mit Vorliebe auf herausfordernden Off-Piste-Hängen aus wie der „Östra Ravin“, die als Mutprobe und schwierigste Geländeabfahrt Schwedens gilt.

„Baksidan“-Areal: Legendär und erstaunlich steil

Mit Gästen gehen Jesper und Philipp kein Risiko ein, wenn sie Tourengeher und Freerider zu den besten Off-Piste-Arealen rund um Åre führen. Das legendärste heißt „Baksidan“, was so viel wie „Rückseite“ bedeutet. Das Backsidan-Areal erstreckt sich über die Flanken des 1420 Meter hohen Åreskutan. Mit gleichmäßigen Schritten geht Jesper auf Tourenski hinauf zur winzigen Toppstugan- Hütte und von dort weiter hoch bis zum Einstieg in einen beeindruckenden Hang. Beim Aufstieg lässt der verkrustete Schnee nicht Gutes erahnen. „Wir nennen das Blumenkohl-Schnee“, erzählt Jesper. Feuchtwarme Luft vom Golf-Strom mische sich hier mit kalter Polarluft, erklärt Jesper. In Åre treffe sie dann erstmals auf höhere Berge, die sie mit einem Mix aus Schnee und Eis überziehe.

Trockener Pulverschnee ist in Åre selten. Beim Eintauchen in die erstaunlich steile „Baksidan“ ist der Schnee dann aber überraschend griffig. „Der Wind spielt hier eine große Rolle bei der Auswahl der besten Runs“, sagt Jesper, bevor er wieder die Felle für den Aufstieg aufzieht.

Après Ski in Schweden

Auch im Skigebiet gibt es die eine oder andere Off-Piste-Variante. Oberhalb des Hotels Fjällgården zum Beispiel, an dem sich am Nachmittag halb Åre trifft. Der in Schweden „After Ski“ genannte Après-Ski dort ist im ganzen Land bekannt. Erst warten sie brav in der Schlange vor dem „After Ski“-Lokal, dann geben sie Vollgas. Rund 600 Leute tanzen bei Live-Musik. Bier und Schnäpse fließen in Strömen – aber nur gut eine Stunde lang. Dann ist die Party vorbei und die beschwipsten Wikinger wanken nach Hause. Einige auf Skiern, die meisten nehmen aber zum Glück die historische Zahnradbahn, die mitten in den Ort führt.