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Zwischen Mayrhofen und Hintertux: Fitnesstest auf der Gletscherrunde

166 Pistenkilometern und knapp 60 Lifte – es ist gar nicht leicht, in der Ski- und Gletscherwelt Zillertal 3000 den Überblick zu behalten. Zum Glück verbindet eine vorgegebene Route die schönsten Ecken miteinander. Die Aussichten von ihren Gipfeln machen die Gletscherrunde zu einem echten „Hochgenuss“, ihre Distanz zu einer Prüfung für die Muskeln.

 

Zillertal 3000: 60 Kilometer auf der Gletscherrunde

Neben der Frage nach dem besten Schnee beschäftigt Wintersportler vor allem ein Thema zu Saisonbeginn: Wie fit bin ich eigentlich? Natürlich könnte man seine körperliche Verfassung im Studio auf die Probe stellen. Wir aber haben keine Lust auf Laufband und eine Aussicht, die sich auf einen kleinen Bildschirm vor der Nase oder das Treiben vor dem Fenster beschränkt. Unser Ziel ist das Zillertal in Tirol. Zwischen Mayrhofen und Hintertux unterziehen wir unsere Oberschenkel Mitte Dezember einem echten Härtetest: der Gletscherrunde über 60 Kilometer und mehr als 15.000 Höhenmeter.

Unsere Anreise erfolgt mit der Zillertalbahn. Die ikonischen roten Wagons zuckeln gemütlich von Jenbach aus in Richtung Mayrhofen. Mit Stationen in Fügen, Kaltenbach oder Zell am Ziller liegen weitere tolle Skigebiete direkt auf ihrer Strecke. Ein Zillertaler Superskipass ist die Eintrittskarte zu allen von ihnen und gleichzeitig unser Ticket für die Zillertalbahn.

Penken, der Berg für Action-Junkies

Von Mayrhofen aus geht es mit der Penkenbahn nach oben. „Welcom to Action Mountain Penken“ steht unten am Zugang. Der Name ist Programm, denn oben wartet unter anderem die Harakiri, mit 78 Prozent Gefälle eine der steilsten Pisten in den gesamten Alpen. Wer sie bezwingt, kann sich als Trophäe ein entsprechendes Shirt unten im Shop holen.

Freeride-Terrain oder Snowpark: Der Penken ist nicht umsonst der „Action Mountain“. TVB Mayrhofen©Christoph Schoech

Der Ausgangspunkt für die Gletscherrunde ist aber die Bergstation Penkenjoch. Auf den weiten, roten Abfahrten bringt man die Beine auf Betriebstemperatur. Oftmals kann man aber auf blauen Pisten auch einen Gang nach unten schalten – oder auf schwarzen zwei bis drei Gänge nach oben. Über den Katzenmoos-Lift erreichen wir den 150er Tux. Die Seilbahn mit den leuchtend gelben Kabinen spannt sich über fast zwei Kilometer hinauf zur Wanglspitze. Deren Flanken sind durchzogen von den Spuren der Freerider und in ihrem Schatten vollführen Wagemutige ihre Tricks im Penken Park, einem der größten Snowparks in Europa.

Anschließend halten wir Kurs auf die Eggalm. Am Lämmerbichl lässt sich sogar eine Etappe über eine Skiroute einbauen, wenn es die Verhältnisse erlauben. Danach stehen eher genussvolle Schwünge bei Eggalm Nord und Lattenalm auf dem Programm. Und kurz darauf eine erste Pause. An der Talstation der Rastkogelbahn wechseln wir in den Skibus in Richtung Hintertux.

Kanada-Fans im Zillertal  

Am Fuß des Gletschers angekommen fällt mir eine blaue Jacke ins Auge. „#cmhheli“ prangt in weißen Lettern darauf: Wilfried und seine Frau Rita sind Heliskiing-Fans und regelmäßig in den Lodges von Weltmarktführer CMH im kanadischen British Columbia unterwegs. „Heliskiing ist einfach das Gefühl der Freiheit“, schwärmt Wilfried, dem es besonders das Tree Skiing angetan hat, der Naturslalom im Wald. „Tree Skiing in Europa geht nicht, da ist es der Hammer.“ Wenn es die beiden einmal nicht nach Nordamerika schaffen, sind sie Stammgäste im Zillertal und besonders gerne am Hintertuxer Gletscher. „Wegen des Naturschnees“, erklärt Rita. „Und weil man hier oben richtig lange Abfahrten hat.“

Aussichtsplattform auf der Gefrorenen Wand.

Davon machen wir uns nun selbst ein Bild. Von Hintertux auf 1.500 Metern Höhe bringen die Gletscherbusse 1, 2 und 3 ihre Passagiere in Windeseile hinauf auf die Gefrorene Wand und damit auf 3.250 Meter Höhe. Natürlich weiß man im Skigebiet um das grandiose Panorama dort oben und hat entsprechend eine Aussichtsplattform an der Bergstation installiert. Der Blick schweift bei klarer Sicht über Rastkogel, Hohen Riffler und Großvenediger bis hin zum fernen Watzmann.

Erst Powder-Genuss, dann Zwangspause

Irgendwann reißen wir uns von der Szenerie los, halb von einem beißenden Wind, halb von unserem Vorhaben getrieben. Immerhin liegt noch ein großer Teil der 60 Kilometer vor uns. Und wir legen sogar ein paar drauf. Den Hang am Schlegeis-Lift ziert eine feine Powder-Schicht, die wir vorerst mit niemandem teilen müssen. Das können wir uns einfach nicht entgehen lassen. Zwei Extrarunden und einen kritischen Blick auf die Uhr später wird klar, dass wir den Fuß jetzt besser auf dem Gas lassen sollten. Doch erstmal werden wir ausgebremst. Die Böen nehmen plötzlich so stark zu, dass sie den Sessellift vorrübergehend stilllegen. Mit uns als Insassen.

Tolle Schneebedingungen im Dezember.

Nach der Zwangspause legen wir mit durchgefrorenen Fingern und Füßen einen Zwischenstopp im Tuxer Fernerhaus ein. Schlecht für den Zeitplan, aber gut für die Energiereserven, die mit einer kräftigen Erbsensuppe aufgefüllt werden. Immerhin wartet nach dem Olperer Lift und der Lärmstange 2 mit der „Schwarzen Pfanne“ noch eine echte Herausforderung. Die Abfahrt schlängelt sich über sechs Kilometer bis hinab ins Tal.

An ihrem Ende kommt die zweite Busfahrt des Tages wie gerufen. In den Sitzen gönnen wir unseren Muskeln eine Verschnaufpause vor dem Endspurt. In unsere Fall ist der Begriff „Endspurt“ nicht einfach nur eine Floskel: Die Fahrt vom Rastkogel über Horbergjoch, Wanglspitz und Nordhangbahn bis zum Penkenjoch wird zum Wettlauf gegen die Zeit. Schließlich möchten wir unseren Fitnesstest auf dem Board nicht noch um ein paar knackige Aufstiege erweitern, weil wir den letzten Lift verpasst haben.

Doch die Punktlandung gelingt – auch unter Mithilfe des freundlichen Mitarbeiters an der Nordhangbahn, der uns mit einem nachsichtigen Lächeln gerade noch so durchwinkt. An der Penkenbahn angekommen können wir endlich durchschnaufen. Die Gletscherrunde ist geschafft.

Planung ausbaufähig, Fitnesstest bestanden

Oftmals hat man die Pisten ganz für sich alleine.

Neben jeder Menge toller Eindrücke und dicken Oberschenkeln nehmen wir vor allem zwei Erkenntnisse mit nach Hause. Erstens schadet es nicht, sich schon im Vorfeld einen Überblick über die Pisten zu verschaffen, die man später nehmen will. So geht keine kostbare Zeit an den Infotafeln verloren. Und zweitens gilt unser persönlicher Fitnesstest als bestanden. Wenn auch mit leichten Abstrichen.

Zum Abschluss erwartet uns noch einmal ein Highlight. Die Sonne ist längst hinter den Gipfeln verschwunden und wir schweben mit der Gondel auf Mayrhofen zu. Tief unter uns verlaufen die hell erleuchten Straßen wie Lavaströme in der Dunkelheit. Auf die Hektik gegen Ende der Gletscherrunde hätten wir natürlich gut verzichten können – doch wenn nicht bereits der Drink in der Pilzbar die Nerven beruhigt, dann auf jeden Fall dieser Anblick.

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