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Ski WM 2015 in Colorado: VAILmeisterlich

Text: Bernhard Krieger

Gigantisch, einzigartig, unvergleichlich! „Vail ist einfach super“, sagt Ski-Superstar Lindsey Vonn über ihre Heimat. Das Skigebiet ist riesig, der „Champagne Powder“ in den legendären Back Bowls trockener als James Bonds Lieblingsmartini und Blue Sky Basin schlicht ein Traum.

Vail allein ist schon der Hammer, zusammen mit seinem Schwesterresort Beaver Creek sprengt es alle Vorstellungen. Erst recht zur Alpinen Ski-Weltmeisterschaft in Colorado 2015. „Einmal im Leben muss jeder nach Vail und Beaver Creek“, sagt Daniel Mahrer. Wenige Skigebiete haben den früheren Schweizer Ski-Champion so beeindruckt wie die beiden Top-Resorts rund zwei Stunden westlich von Denver.

Als grösstes Skigebiet des Kontinents ist Vail die Ikone des Skisports in Nordamerika, sein Schwesterressort Beaver Creek bis heute der Maßstab für alle anderen Resorts. 2015 ist das „Luxus-Winter-Wonderland“ der Schönen und Reichen das Herz der alpinen Ski-WM. Die meisten Rennen werden vor seiner Bilderbuch-Kulisse ausgetragen. Vails kleine Schwester bietet nicht nur Luxushotels, beheizte Gehwege, Rolltreppen, Top-Service und Genussabfahrten, sondern auch sportliche Herausforderungen. „Und die nicht nur für Rennfahrer“, betont Mike Williams.

Mike arbeitet seit Jahrzehnten als Skilehrer in Vail und Beaver Creek. Er kennt jede Ecke der WM-Gebiete und die ultimativen Herausforderungen für sportliche Skiurlauber. Die berühmte Birds of Prey ist er schon tausende Male gefahren. Mit einer Neigung von bis zu 45 Prozent ist die von Bernhard Russi konzipierte Abfahrt eine der anspruchsvollsten im Ski-Weltcup und das Herzstück der WM 2015. Bis auf die Entscheidung im Nationalteam-Event werden alle WM-Rennen in Beaver Creek ausgetragen, das mit Shuttlebussen perfekt an Vail angebunden ist.

Direkt neben der Männer-Abfahrt, Birds of Prey, liegt die neue Damen-Abfahrt, Raptor. Auf ihr will Lindsey Vonn 2015 bei ihrer Heim-WM zu Gold rasen. Lindsey ist in Vail aufgewachsen, die Ski-Town in Colorado ist ihre Heimat. Nur 16 Kilometer liegt Beaver Creek von Vail entfernt, das nicht zuletzt europäische Ski-Pioniere wie Pepi Gramshammer zu einem der besten Skigebiete der Welt gemacht haben. „Ein Freund ist mal alle Pisten und Varianten gefahren und hat mehr als eine Woche gebraucht“, erzählt Skilehrer Horst Essl. Der gelernte Kunstmaler aus Österreich hat die Lüftlmalerei nach Colorado gebracht und unter anderem die Fassaden des Ski-Museums und des Gasthofs Gramshammer von Vails Ski-Legende Pepi Gramshammer bemalt – im Sommer versteht sich. Im Winter ist Horst jede Sekunde auf dem Berg. „Allein die Front Side ist schon grandios. Viele wären überglücklich, wenn sie einen so weitläufigen Berg hätten. Dabei ist er für uns nur der Einstieg ins Paradies“, schwärmt Horst. Sein Paradies sind die Back Bowls – uns kommt der Weg dorthin schon paradiesisch vor.

Im Ortsteil Lionshead haben wir die Eagle Bahn Gondola genommen und uns auf den perfekt präparierten Pisten unterhalb der Wildwood-Hütte warm gefahren. Bis ganz hinauf auf die 3400 Meter hohen Gipfel reichen hier die dichten Wälder, die in tieferen Lagen mit lichten Espen-Reihen durchsetzt sind. Nach zwei Runden sind wir fit für den Einstieg in die mehr als drei Kilometer breiten Back Bowls. Wir schiessen hinab in die Sun Down-, wechseln dann in die Sun Up-Bowl und weiter in die China- und Sibiria-Bowl unterhalb der riesigen Two Elk-Lodge. Dort schallt statt alpenländischen Hütten-Schlagern Jazz-Musik über das Sonnendeck.

„Die Back Bowls sind einzigartig.

Trotz des aufgerüsteten Tea Cup Express-Lifts schaffen wir an einem Tag nur einen Bruchteil der 42 ausgeschilderten Varianten-Abfahrten in den Back Bowls. Hier tummeln sich die Tiefschneesüchtigen – und wann immer sie Zeit hat auch Lindsey Vonn. „Die Back Bowls sind einzigartig. „In dieser riesigen Schüssel hat man unzählige Geländeabfahrten“, hatte die Amerikanerin Ski USA am Rande eines Weltcuprennens erzählt.

In Lindseys Lieblings-Areal gilt auch bei den sonst stets höflichen Amerikanern: „No friends on a powderday!“ Horst sagt: „An Neuschneetagen muss du schnell sein.“ Ist die weiße Pracht in den Bowls durchpflügt, weichen Lindsey und die anderen Einheimischen nach Blue Sky Basin aus. „“Hier ist man mitten in der Natur und man kann großartige Abfahrten durch die Wälder machen. Dort habe ich auch mal mit Warren Miller gedreht“, schwärmt die viermalige Gesamtweltcupsiegerin.

Urige Blockhütte zum Aufwärmen

Wir folgen Lindseys Rat und fahren mit dem Skyline-Lift von der Talsohle der Bowls durch einen dichten Wald über zwei rassige Geländeabfahrten hinweg zum Belle´s Camp. In der urigen Blockhütte brennt ein Feuer, auf einem Tresen stehen kostenlose Getränke und Kekse. Fast zehn Kilometer Luftlinie ist das Belle´s Camp von Vail entfernt. Hier sieht man nichts als die schneebedeckten Berge der Rockies und unendlich weite Wälder, in denen im Sommer Bären unterwegs sind.

Pulverschnee beim Tree-Skiing

Die Abfahrts-Olympiasiegerin hat Recht: Schöner als dieses Panorama sind nur die Abfahrten. Genussskifahrer nehmen die Cloud 9-Piste, die sich durch dichte Wälder und über kleine Lichtungen ins „Tal der Murmeltiere“ schlängelt. Könner dagegen wagen das Treeskiing – den Slalom durch die Bäume – auf der Steep & Deep. Für seinen Mut wird man dort mit tollem Schnee belohnt, der hier tagelang herrlich pulvrig bleibt. Die Höhe, der ohnehin sehr trockene Schnee der Rockies und die Kälte in den schattigen Wäldern machen es möglich. Zurück nach Vail fahren wir natürlich Lindsey’s Run – eine schwarze Piste, die Vail seiner berühmtesten Skifahrerin gewidmet hat.

Wer Glück hat, trifft den Superstar unten im Tal sogar mal beim Après-Ski. Das Lieblingslokal der zweimaligen Weltmeisterin ist das Vendetta´s. „“Das ist ein italienisches Restaurant mit guter Pizza und der Après-Ski-Treff der Locals“, erzählt uns Lindsey. Da kämen auch viele Bergwachtler auf ein Bier vorbei, verrät sie. „Und die haben immer die besten Tipps, wo der Schnee in Vail gerade super ist.“

Name Vail Mountain
Provinz/Bundesstaat Colorado
Mountain Range Vail Mountain
Zielflughafen Denver Int. Airport
Transferzeiten 2 bis 3 h